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Cue Sheet für Musik: Was rein muss, wer es einreicht (Vorlage)

Ein Cue Sheet listet jede Musik in Film, TV-Sendung oder Werbespot, damit Urheber bezahlt werden. Pflichtangaben, GEMA-Ablauf und kostenlose Vorlage.

Von Paul Lorenz · · Aktualisiert · 7 min

Orchesteraufnahme in einem großen Studio, Musik, die später im Cue Sheet eines Films steht

Der Sender will das Cue Sheet, die Abgabe ist nah, und im Team hat noch niemand eines ausgefüllt. Es ist weniger Arbeit, als es klingt: Ein Cue Sheet ist eine Tabelle mit einer Zeile pro Musikstück.

Was ist ein Cue Sheet?

Ein Cue Sheet ist die Liste aller Musik in einer audiovisuellen Produktion. Jedes Musikstück, das im Film einsetzt und wieder endet, ist ein Cue. Das Cue Sheet hält für jeden Cue fest, welche Musik lief, wie, wie lange, und wem die Rechte gehören.

Wird die Produktion gesendet oder im Kino gezeigt, gleicht die Verwertungsgesellschaft das Cue Sheet mit ihrem Repertoire ab und verteilt die Vergütung an die Komponisten und Verlage jedes Cues. Ohne Cue Sheet weiß sie nicht, welche Musik lief, und die Urheber gehen leer aus.

Wer erstellt das Cue Sheet, und wo wird es eingereicht?

Die Produktionsfirma erstellt es, denn nur sie weiß, welche Musik im fertigen Schnitt wo und wie lange läuft. Wohin es geht, hängt vom Markt ab:

  • Deutschland: Die GEMA nimmt Cue Sheets für Filme und Serien über die AV-Anmeldung im GEMA-Onlineportal an, als Online-Formular oder per Excel-Upload. Abgefragt wird unter anderem die Erstverwertung, etwa Kino oder ein deutscher Fernsehsender. Für Werbespots gibt es eine eigene Anmeldung.
  • USA: ASCAP und BMI nehmen eine gemeinsame Vorlage an; bei ASCAP gilt das Cue Sheet der Produktionsfirma als maßgeblich.
  • Großbritannien: Fürs Fernsehen reichen meist die Sender die Cue Sheets bei PRS for Music ein.

In der Praxis gehört das Cue Sheet bei den meisten Sendern und Verleihern zu den Abgabematerialien, zusammen mit dem Sendeband und den Musiklizenzen.

Was gehört in ein Cue Sheet?

Zwei Blöcke: die Produktion, dann eine Zeile pro Cue.

Angaben zur Produktion: Titel, Folge und Folgennummer, Produktionsfirma mit Ansprechpartner, Sender oder Verleih, Datum der Erstausstrahlung oder Veröffentlichung, Gesamtlänge.

Pro Cue:

FeldBeispielHinweis
Cue-Nr.1In der Reihenfolge im Film
TitelCanon in D MajorGenau wie registriert
NutzungsartBIKürzel siehe unten
Timecode Beginn / Ende00:02:10 – 00:03:05Position in der Produktion
Dauer00:55Tatsächlich hörbare Minuten und Sekunden
Komponist, Gesellschaft, AnteilJohann Pachelbel (gemeinfrei)Bearbeiter angeben, wenn die Bearbeitung genannt wird
Verlag, Gesellschaft, Anteil–Leer lassen, wenn es keinen gibt
Interpret / LabelKünstler und Label der AufnahmeWem die Aufnahme gehört
ISRCCode der AufnahmeBezeichnet genau diese Aufnahme
ISWCCode des WerksBezeichnet die Komposition

Die Vorlagen der Verwertungsgesellschaften und der internationale Standard der CISAC, des Dachverbands der Verwertungsgesellschaften, nutzen dieselben Kernfelder. ISRC und ISWC sind nicht überall Pflicht, machen die Zuordnung aber eindeutig, besonders bei klassischen Stücken, die es in hunderten Aufnahmen gibt.

Was bedeuten BI, BV, MT und ET?

Die Kürzel sagen, wie das Publikum die Musik hört. Auf internationalen Cue Sheets sind diese üblich:

KürzelBedeutungBeispiel
BIHintergrund, instrumentalFilmmusik unter einem Dialog
BVHintergrund, mit GesangEin Lied aus dem Autoradio
VIIm Bild gespielt, instrumentalEine Pianistin spielt im Bild
VVIm Bild gesungenEine Figur singt
MTVorspann / TitelmusikDie Titelmelodie
ETAbspannMusik über dem Abspann

Hintergrund-, Bild- und Titelmusik können unterschiedlich vergütet werden, deshalb zählt das Kürzel. Fragen Sender oder GEMA andere Angaben ab, gelten diese.

Wann brauche ich ein Cue Sheet, wann nicht?

Ja bei Fernsehsendungen, Kinofilmen, vielen Streaming- und VoD-Veröffentlichungen und Werbespots in TV und Kino. Meist nein bei reinen Online-Videos auf YouTube, Instagram oder TikTok, bei intern gezeigten Unternehmensvideos oder beim Hochzeitsfilm. Online erkennen Systeme wie YouTube Content ID die Musik automatisch.

Ein Cue Sheet ist keine Lizenz. Es meldet Musik, die bereits geklärt ist; das Recht, Musik in die Produktion einzubauen, kommt aus der Musiklizenz. Ein Stück braucht diese Lizenz auch dann, wenn es korrekt im Cue Sheet steht.

Cue Sheet ausfüllen in fünf Schritten

  1. Musik-Schnittliste exportieren aus dem Schnittprogramm (Premiere Pro, DaVinci Resolve, Avid) oder die Timecodes jedes Musikclips im fertigen Schnitt notieren.
  2. Zusammengehörige Clips zu einem Cue zusammenfassen. Ein Stück, das ohne Unterbrechung durchläuft, ist ein Cue, auch über mehrere Schnitte hinweg.
  3. Die tatsächlich hörbare Dauer messen, nicht die Länge des Tracks.
  4. Rechteangaben aus den Lizenzen übernehmen: Komponist, Verlag, Verwertungsgesellschaft, ISRC, ISWC. Der Lizenzgeber hat sie.
  5. Gegenprüfen: Die Cue-Liste muss zur lizenzierten Musik passen, und nichts Verwendetes darf fehlen.

Cue-Sheet-Vorlage herunterladen: Produktionsblock und Cue-Tabelle mit allen Feldern oben, als CSV für Excel, Numbers oder Google Tabellen. Für die AV-Anmeldung bei der GEMA überträgst du die Angaben in deren Formular oder Excel-Vorlage.

Woher kommen die Angaben für Artyfile-Musik?

Von der Produktseite und von uns. Jede Artyfile-Produktseite nennt unter „Credits & Codes“ den Komponisten, den ISRC der Aufnahme und, wo vorhanden, den ISWC des Werks. Artyfile ist bei der GEMA registriert, die Komponisten der eigenen Werke werden also über das Cue Sheet vergütet, wenn die Produktion gesendet wird; auf Anfrage schicken wir die vollständigen Angaben für dein Cue Sheet, mit Verwertungsgesellschaft und Rechteinhaber.

Die Lizenz selbst ist einmalig: 29,90 € pro Track, weltweit und unbefristet, für Film, Fernsehen, Kino und Werbung gleichermaßen, ohne zusätzliche GEMA-Gebühr auf die Lizenz. Die Vergütung für die Ausstrahlung ist davon getrennt; sie regelt der Sender mit der GEMA.

Fazit

Ein Cue Sheet ist eine Tabelle: oben die Produktion, darunter eine Zeile pro Cue mit Titel, Nutzungsart, Timecode, Dauer und Rechteinhabern. Die Produktion füllt es aus Schnittliste und Musiklizenzen aus, und das Einreichen kostet sie nichts. Starte mit der Vorlage und frag deinen Lizenzgeber nach fehlenden Codes.

Häufige Fragen

Was ist ein Cue Sheet?+

Ein Cue Sheet ist die Liste aller Musikstücke in einem Film, einer TV-Sendung oder einem Werbespot, mit Titel, Nutzungsart, Dauer und den Urhebern und Verlagen. Verwertungsgesellschaften wie die GEMA verteilen damit die Vergütung an Komponisten und Verlage, wenn die Produktion gesendet oder gezeigt wird.

Wer erstellt das Cue Sheet?+

Die Produktionsfirma, denn nur sie weiß, welche Musik im fertigen Schnitt wo und wie lange läuft. Viele Sender und Verleiher verlangen es mit den Abgabematerialien.

Wie reicht man ein Cue Sheet bei der GEMA ein?+

Für Filme und Serien über die AV-Anmeldung im GEMA-Onlineportal, als Online-Formular oder per Excel-Upload. Für Werbespots gibt es eine eigene Anmeldung.

Brauche ich ein Cue Sheet für ein YouTube-Video?+

In der Regel nicht. Cue Sheets gibt es für Fernsehen, Kino und viele Streaming-Veröffentlichungen. In Online-Videos erkennen Systeme wie YouTube Content ID die Musik automatisch.

Kostet das Einreichen eines Cue Sheets etwas?+

Nein, das Einreichen selbst kostet nichts. Die Vergütung für die Sendung zahlen Sender, Kinos und Plattformen über ihre Verträge mit den Verwertungsgesellschaften.

Was bedeuten die Kürzel BI, BV und MT?+

Sie beschreiben, wie die Musik zu hören ist: BI Hintergrund instrumental, BV Hintergrund mit Gesang, VI im Bild gespielt, VV im Bild gesungen, MT Vorspann oder Titelmusik, ET Abspann. Verlangen Sender oder GEMA andere Angaben, gelten diese.

Woher bekomme ich die Angaben für lizenzierte Musik?+

Vom Lizenzgeber. Bei Artyfile stehen Komponist, ISRC und ISWC auf jeder Produktseite, die vollständigen Angaben für das Cue Sheet schickt Artyfile auf Anfrage.

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