Musik-Urheberrecht prüfen: Darf ich diesen Song verwenden?
Ob du Musik verwenden darfst, hängt an zwei Rechten: an der Komposition (Melodie, Text) und an der Aufnahme (die konkrete Einspielung). Die Komposition wird in der EU 70 Jahre nach dem Tod des letzten Urhebers frei, eine Aufnahme 70 Jahre nach ihrer Veröffentlichung. Der Prüfer unten wendet diese Fristen auf deinen Fall an und zeigt, welche Erlaubnis dir fehlt. Er erkennt keine Audiodateien und schaut nichts in Datenbanken nach: Er rechnet mit dem, was du über das Stück weißt.
Der Prüfer
Komposition (das Lied bzw. Werk selbst)
EU/UKZu wenig Angaben
USAZu wenig Angaben
Aufnahme (die Audiodatei, die du verwenden würdest)
EU/UKZu wenig Angaben
USAZu wenig Angaben
Du brauchst vorher eine Erlaubnis.
- Es fehlt: eine Lizenz für die Komposition vom Musikverlag bzw. Urheber (Synchronisationsrecht)
- Es fehlt: eine Lizenz für die Aufnahme vom Label bzw. Tonträgerhersteller (Masterrecht)
Bevor du dich darauf verlässt
- Eine neue Bearbeitung, Notenedition oder Übersetzung eines freien Werks kann eigene Rechte haben.
- Text und Musik können verschiedene Urheber haben; frei ist das Werk erst 70 Jahre nach dem Tod des zuletzt verstorbenen.
- Eine remasterte oder restaurierte Neuausgabe einer alten Aufnahme kann neue Rechte tragen; prüfe die Veröffentlichung, die du tatsächlich hast.
- Einzelne Länder weichen ab (Frankreich etwa mit Kriegsverlängerungen).
- Auch lizenzierte oder gemeinfreie Musik kann auf YouTube einen Content-ID-Anspruch bekommen; ein Anspruch ist keine Urheberrechtsverwarnung.
- Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
So prüfst du, ob ein Song urheberrechtlich geschützt ist
- 1. Song und Aufnahme identifizierenTitel, Komponist bzw. Songwriter und die konkrete Aufnahme (Interpret, Label, Jahr). Bei unbekannter Musik hilft eine Song-Erkennungs-App; die Angaben auf der Veröffentlichung (Booklet, Streaming-Credits) sind verlässlicher.
- 2. Die Komposition prüfenTodesjahr aller Urheber (Musik und Text) ermitteln. Den Verlag findest du in der Werksuche der Verwertungsgesellschaften: GEMA-Repertoiresuche in Deutschland, ASCAP und BMI Songview in den USA, PRS im Vereinigten Königreich.
- 3. Die Aufnahme prüfenWann wurde genau diese Aufnahme veröffentlicht, und wem gehört sie (Label, Künstler, Produzent)? Discogs und MusicBrainz listen Label und Jahr; eine Neuausgabe kann neue Rechte haben.
- 4. Deine Nutzung definierenVideo, Werbung, Film, Podcast, öffentliche Wiedergabe? Medien, Gebiet und Dauer bestimmen, welche Lizenzen du brauchst und was sie kosten.
- 5. Vor dem Veröffentlichen testenYouTube Studio führt beim Hochladen eine Urheberrechtsprüfung durch und zeigt Content-ID-Ansprüche an, bevor das Video öffentlich ist. Das sagt dir, ob ein Rechteinhaber die Aufnahme registriert hat; es sagt nicht, ob du lizenziert bist.
Die Schutzfristen auf einen Blick (Stand 2026)
| EU, Schweiz, UK | USA | |
|---|---|---|
| Komposition | 70 Jahre nach dem Tod des letzten Urhebers (frei 2026: gestorben bis 1955) | Erstveröffentlichung bis 1930 frei; danach 95 Jahre ab Veröffentlichung bzw. Lebenszeit plus 70 Jahre |
| Aufnahme | 70 Jahre ab Veröffentlichung; vor 1963 veröffentlichte Aufnahmen sind frei | Veröffentlichung bis 1925 frei; spätere Aufnahmen geschützt |
| Traditionelle Lieder | Melodie frei; Bearbeitung und Aufnahme geschützt | Melodie frei; Bearbeitung und Aufnahme geschützt |
Was ein automatischer Copyright-Checker nicht kann
- Er kennt deine Lizenz nicht. Content ID und Erkennungsdienste melden, dass eine Aufnahme registriert ist, nicht, ob du sie nutzen darfst. Ein Anspruch auf lizenzierte Musik ist normal und keine Urheberrechtsverwarnung.
- Er trennt Werk und Aufnahme nicht. Eine gemeinfreie Beethoven-Sinfonie in einer Aufnahme von 2015 ist geschützt; die Erkennung meldet nur „Beethoven“.
- Er kennt keine Ländergrenzen. Ein Song kann in den USA frei und in der EU geschützt sein: „Georgia on My Mind“ (1930) ist in den USA seit 2026 gemeinfrei, in der EU bis Ende 2051 geschützt, weil Hoagy Carmichael 1981 starb.
Häufige Fragen
Wie kann ich prüfen, ob Musik urheberrechtlich geschützt ist?
Kläre zwei Fragen getrennt: Ist die Komposition frei (in der EU 70 Jahre nach dem Tod des letzten Urhebers)? Ist die Aufnahme frei (in der EU vor 1963 veröffentlicht)? Den Verlag findest du in der GEMA-Repertoiresuche, das Label auf der Veröffentlichung. Der Prüfer auf dieser Seite wendet die Fristen auf deinen Fall an.
Gibt es einen kostenlosen Musik-Copyright-Checker?
Ja, dieser hier. Er rechnet mit den gesetzlichen Schutzfristen und zeigt, welche Lizenz fehlt. Kein Werkzeug kann allerdings verbindlich sagen, ob du eine bestimmte Datei nutzen darfst: Dafür musst du den Rechteinhaber und deine Lizenz kennen.
Ist ein Song frei, wenn er auf YouTube oder Spotify kostenlos läuft?
Nein. Kostenlos anhören heißt nicht, dass du ihn in ein eigenes Video schneiden darfst. Dafür brauchst du die Rechte an Komposition und Aufnahme.
Ist klassische Musik urheberrechtsfrei?
Die Komposition meistens, wenn der Komponist vor mehr als 70 Jahren gestorben ist. Die Aufnahme nicht: Jede Einspielung ist eigenständig geschützt. Für ein Video brauchst du deshalb eine Lizenz für die Aufnahme.
Was bedeutet ein Content-ID-Anspruch?
Ein Rechteinhaber hat die Aufnahme bei YouTube registriert. Der Anspruch kann Werbeeinnahmen umleiten, ist aber keine Urheberrechtsverwarnung. Mit einer Lizenz kannst du ihn belegen bzw. klären lassen.
Wie lange ist ein Song urheberrechtlich geschützt?
In der EU bis 70 Jahre nach dem Tod des letzten Urhebers (Komposition) und 70 Jahre ab Veröffentlichung (Aufnahme). In den USA sind 2026 Kompositionen frei, die bis 1930 veröffentlicht wurden, und Aufnahmen bis 1925.
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Quellen & Hinweis
- § 64 UrhG: Schutzdauer 70 Jahre nach dem Tod
- § 85 UrhG: Tonträgerhersteller, 70 Jahre ab Veröffentlichung
- Richtlinie 2011/77/EU: Verlängerung für Tonaufnahmen
- Duke Center for the Study of the Public Domain: Public Domain Day 2026
- US Copyright Office: Public Records
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Stand Oktober 2026. Einzelne Länder weichen ab; im Zweifel das konkrete Land und die konkrete Veröffentlichung prüfen.